Ein Sieg für die Geschichtsbücher

Irreal triumphiert über den Tabellenführer

katja-ebstein-wunder-gibt-es-immer-wieder-1970.jpg-DSG Irreal-St. Leopold

Für Generationen von Irreal-Mannschaften war ein Spiel gegen Inter Leopoldau ein aussichtsloses Unterfangen. Ob in Ulrichskirchen, am Nord-Wien-Platz, am ASKÖ XX, der Sieger stand praktisch schon mit dem Anpfiff fest. In all den Jahren war ein 2:3 Anfang der Neunzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts das mit Abstand knappste Ergebnis. Angesichts dieses historischen Hintergrunds und einer Serie von vier Niederlagen in Folge stellte Coach Würrer seiner Mannschaft quasi einen Persilschein für die Partie aus, in der Meinung, dass die abstiegsvermeidenden Punkte gegen andere Gegner eingefahren werden müssen.

Aber seine Mannen hatten einen anderen Spielplan. In der 17. Minute tanzte Flo "Bionic" G. mit den Inter-Verteidigern einen Slowfox, und der Irreal-Rekordtorschütze schob die Kugel überlegt ins lange Eck. Wütende Angriffe des Tabellenführers waren die Antwort, aber die irreale Nummer 1 agierte in Überform, und das eine oder andere Mal war die Torumrandung hilfreich zur Stelle. Sieben Minuten später erhöhte Helly mit einem akrobatischen Seitfallzieher auf 2:0, und als derselbe Spieler einen Bilderbuchkonter erfolgreich abschloss, war der Spielverlauf endgültig auf den Kopf gestellt. Mit 3:0 ging es in die Pause, und keiner der Spieler konnte so recht begreifen, was sich da eigentlich gerade abgespielt hatte.

Jeder wusste aber, dass die folgenden 45 Minuten sich wie Stunden anfühlen werden. Der Präse wollte diese eigentlich in der Kantine verbringen- zu groß war die nervliche Anspannung, zu frisch noch die Erinnerung an die verschenkte Halbzeitführung gegen den Tabellenzweiten in Oberlaa. Aber auch in der zweiten Halbzeit vermochten die Leopoldauer ihre Chancen, deren Verwertung für den Gewinn einer ganzen Meisterschaft gereicht hätte, nicht in Tore umzumünzen. Irreal verteidigte die Führung mit letztem Einsatz und gelangte aus Kontern zu der einen oder anderen Halbchance, Chris E. agierte als Abfangjäger im Stile von Weltenbummler Steini,  Luki P. brachte die gegnerischen Stürmer reihenweise zur Verzweiflung, und was er nicht parieren konnte, setzten die Inter-Angreifer auf, neben oder hinter das teilweise schon verwaiste Gehäuse. In der 71. Minute gelang ihnen doch der längst fällige Anschlusstreffer, aber als ihre Nummer 12 mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen wurde und Irreal-Neuzugang Stefan G. einen Querpass von Helly mit der Abgebrühtheit eines Routiniers verwertete, war die Partie endgültig entschieden. Irreal gelang der erste Sieg gegen Inter Leopoldau in 32 Jahren, was in der Kabine und danach in der Kantine auch gebührend gefeiert wurde.

Die irreale Süd-Ost-Fraktion verschleppte den Präse anschließend noch in den 9. Bezirk, und als jener am nächsten Vormittag -mit einem dezenten Pochen in den Schläfen- erwachte, musste er sich zuerst einmal fest zwicken, um sicherzugehen, dass er all das nicht doch nur geträumt hatte...